Du bist Heilpraktiker und hast gerade Deine eigene Praxis gegründet – oder Du steckst mitten im Gründungsprozess? Dann gibt es neben Praxisräumen, Versicherungen, Ausstattung und Patientengewinnung eine Frage, die für Deinen wirtschaftlichen Erfolg ganz entscheidend ist:

Wie viel Honorar musst Du pro Arbeitsstunde berechnen?

Viele Praxisgründer tun sich mit dieser Frage erstaunlich schwer. Vielleicht hast auch Du zunächst überlegt: Wie viel verlangen andere Heilpraktiker in meiner Umgebung? Oder Du hast einfach einen Betrag festgelegt, der sich für Dich „angemessen“ anfühlt.

Doch genau hier liegt eine der häufigsten Fallen bei der Existenzgründung: Dein Honorar sollte nicht aus dem Bauch heraus entstehen, sondern auf einer realistischen Kalkulation basieren.

100 EUR Honorar sind nicht 100 EUR Verdienst

Nehmen wir an, Du berechnest einem Patienten 100 EUR für eine Behandlung. Wie viel davon bleibt Dir tatsächlich?

Von diesen 100 EUR müssen zunächst sämtliche Kosten Deiner Praxis finanziert werden. Dazu gehören beispielsweise Miete und Nebenkosten, Versicherungen, Telefon und Internet, Praxissoftware, Steuerberatung, Fortbildungen, Verbandsbeiträge, Marketing, Website, Reinigung, Verbrauchsmaterialien und gegebenenfalls Leasing- oder Finanzierungskosten für Geräte.

Und damit nicht genug.

Auch Deine eigene soziale Absicherung muss berücksichtigt werden: Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Rücklagen für Krankheit oder andere Ausfallzeiten. Hinzu kommt – abhängig von Deiner persönlichen steuerlichen Situation – die Einkommensteuer.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie viel nehme ich pro Stunde ein? Sondern: Wie viel bleibt am Ende davon übrig?

Nicht jede Arbeitsstunde ist eine bezahlte Stunde

Ein weiterer Punkt wird bei der Kalkulation häufig unterschätzt. Wenn Du beispielsweise 40 Stunden pro Woche arbeitest, kannst Du keinesfalls 40 Stunden abrechnen.

Du beantwortest E-Mails, führst Telefonate, dokumentierst Behandlungen, bestellst Materialien, bereitest Deine Praxis vor, erledigst Abrechnungen, kümmerst Dich um Deine Buchhaltung und Dein Marketing oder besuchst Fortbildungen.

All diese Tätigkeiten gehören zu Deinem Unternehmen – werden Dir aber von keinem Patienten direkt bezahlt. Deine tatsächlich abrechenbaren Stunden müssen daher auch die nicht abrechenbare Arbeitszeit mitfinanzieren.

Und was passiert im Urlaub oder wenn Du krank bist?

Als Angestellter erhältst Du in der Regel auch während des Urlaubs oder einer Erkrankung weiterhin Dein Gehalt. Als Selbstständiger sieht das anders aus: Wenn Deine Praxis geschlossen bleibt und Du keine Patienten behandelst, erzielst Du zunächst auch keinen Umsatz.

Deshalb gehören Urlaub, Feiertage, Fortbildungstage und mögliche Krankheitstage ebenfalls in eine realistische Honorarkalkulation.

Erst wenn Du Deine jährlichen Praxiskosten, Deine privaten Kosten, die erforderlichen Rücklagen und die Anzahl der realistisch abrechenbaren Stunden kennst, kannst Du berechnen, welchen Umsatz Du pro Behandlungsstunde tatsächlich benötigst.

Dein Honorar muss zu Deiner Praxis passen

Es gibt deshalb nicht den einen richtigen Stundensatz für jeden Heilpraktiker.

Eine Praxis mit hohen Fixkosten, Mitarbeitern und umfangreicher technischer Ausstattung benötigt eine andere Kalkulation als eine kleine Praxis mit niedrigen laufenden Kosten. Auch Dein Behandlungskonzept, Deine Spezialisierung, der Zeitaufwand Deiner Leistungen und Deine persönlichen finanziellen Anforderungen spielen eine Rolle.

Und natürlich muss Dein Honorar letztlich auch zu Deiner Positionierung und Deinem Praxiskonzept passen.

Gute Kalkulation schafft Sicherheit

Gerade bei einer Praxisgründung lohnt es sich, diesen Punkt von Anfang an professionell zu durchdenken. Denn ein zu niedrig angesetztes Honorar lässt sich später häufig nur schwer korrigieren. Gleichzeitig kann eine unrealistische Kalkulation langfristig darüber entscheiden, ob Deine Praxis wirtschaftlich erfolgreich arbeitet.

Im Rahmen meiner individuellen Existenzgründerberatung für Heilpraktiker schauen wir deshalb gemeinsam genau hin: Welche Kosten entstehen tatsächlich? Wie viele Stunden kannst Du realistisch abrechnen? Welchen Umsatz benötigst Du? Welche Rücklagen solltest Du berücksichtigen? Und welcher Stundensatz ist daraus für Deine Praxis sinnvoll?

Diskret, individuell und auf Deine persönliche Situation zugeschnitten, entwickeln wir eine Kalkulation, mit der Du nicht nur Deine Kosten deckst, sondern Deine Praxis langfristig wirtschaftlich und mit einem guten Gefühl führen kannst.

Denn Deine fachliche Arbeit hat einen Wert – und Deine Praxis braucht ein Honorar, das diesen Wert und Deine unternehmerische Realität berücksichtigt.

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